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Ray
Genre:Oscarprämiertes Musikerporträt
Länge:152
Schauspieler:Jamie Foxx, Kerry Washington, Regina King
Regie:Taylor Hackford
Erscheinungsjahr:2005
Internet:
Beschreibung: Dieser Mann war schon zu Lebzeiten eine Legende: Ray Charles, Mythos, Erfinder und Sympathikus einer musikalischen Mode, die zum Genre wurde. Der Mann mit der Sonnenbrille führte - was für ein Frevel in den 50er-Jahren - Rhythm and Blues mit Gospel zusammen und erschuf damit einen Trend, der bis heute einzigartig bleibt. Im Juni vergangenen Jahres starb Charles im Alter von 73 Jahren in seinem Anwesen in Beverly Hills an einem Leberleiden. Wie eine Art Nachruf kommt nun auch in Deutschland eine zweieinhalbstündige Filmbiografie über das musikalische Multitalent auf die Leinwände. Schon jetzt gilt sie als einer der bemerkenswertesten Filme des neuen Kinojahres.

Erfolg färbt ab. Das mag auch auf Jamie Foxx zutreffen, der sich in monatelanger Kleinstarbeit in den Charakter seines Idols einfühlte. Heraus kam die wohl mit Abstand bewegendste Darstellung einer Musikikone: "Ray", so der schlichte Titel des Biopics, wird durch das schauspielerische Multitalent Foxx zum Abenteuer, in dem alle Höhen und Tiefen in Ray Charles´ Leben glaubhaft erlebbar werden. Es kommt einem beinahe so vor, als stünde der große Mann des R´n´B und Soul selbst vor der Kamera. Jamie Foxx, der schon in Michael Manns Killer-Portrait "Collateral" Tom Cruise an die Wand spielte, gibt hier nicht nur seine Visitenkarte ab: Es ist ein schauspielerischer Triumph, eine Ausnahmeleistung. Ray Charles sorgte für ein schillerndes Leben mit Frauen, Glanz und Drogen. Doch Foxx ist es, der die Fehler des Idols verständlich macht. Ray Charles litt schon mit fünf Jahren an grünem Star und erblindete nach wenigen Monaten vollkommen. Seine Liebe zur Musik wird dadurch nur noch inniger. Er nimmt klassischen Klavierunterricht, doch in den Abendstunden treffen sich die Jugendlichen der Kleinstadt, um gemeinsam mit der Musik zu experimentieren. Seine Vorbilder sind Charles Brown und Nat King Cole. Als seine Mutter stirbt, muss und möchte Charles auf eigenen Beinen stehen. Er kämpft hart, um kein Musiker unter vielen zu sein. Doch erst langsam stellt sich Erfolg ein. Anfang der 50er-Jahre muss er sich gegen kritische Kirchenvertreter wehren, die ihm vorwerfen, er würde mit seinem dreckigen Gesang und seiner flotten Musik den Gospel entweihen. Doch genau damit kommt er an - vor allem bei tanzwilligen, jungen Frauen, deren Avancen er nie abgeneigt war. Mit "What´d I Say" landet er dann Ende des Jahrzehnts seinen wohl größten Hit. Doch der Absturz schien vorprogrammiert, die Drogenhölle unausweichlich. Mitte der 60-er wird er wegen Heroin-Besitzes zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Trotzdem kann sich Charles fangen und steigt zur Entertainer- und Werbeikone auf. Nicht nur der Bundesstaat Georgia machte sich einen Charles-Song zur Hymne ("Georgia On My Mind"). Für den Getränkemulti Pepsi singt er in den 90-ern "You Have Got The Right One, Baby" und leiht einer Zuckerbrause damit eben jenen Charme, der ihn über Jahrzehnte so populär gemacht hat. Regisseur Taylor Hackford, der für die Boxer-Dokumentation "When We Were Kings" über den Kampf von Muhammad Ali gegen George Forman im Kongo einen Oscar erhielt, widmete sich dem Leben von Ray Charles mit der notwendigen Hingabe. So eine schillernde wie emotionale Figur wie Charles konnte nur ebenso hingebungsvoll wie widersprüchlich dargestellt werden. Jamie Foxx, der während der Dreharbeiten unter Panikattacken litt, weil er seine Augen ganze Tage lang komplett verkleben musste, gilt schon jetzt als der größte Oscar-Favorit der kommenden Verleihungen Ende Februar. Für den Film lernte der studierte Pianist das Klavierspiel neu - schließlich konnte er nicht mehr auf die Tasten schauen. Er glaubt, mittlerweile eine Wiederentdeckung von Ray Charles´ Musik sogar bei HipHop-Produzenten feststellen zu können. Nach einer solch mitreißenden Ode an einen großen Mann, der am Anfang des neuen Jahrhunderts schon fast vergessen schien, ist das kein Wunder.


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