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Film-Archiv



WIR TÖTEN STELLA
Genre:Drama; Literaturverfilmung
Länge:98
Schauspieler:Martina Gedeck, Mala Emde, Matthias Brandt, Julius Hagg, Alana Bierleutgeb
Regie:Julian Pölsler
Erscheinungsjahr:2017
Internet:
Beschreibung:Nach dem Erfolg der Marlen-Haushofer-Verfilmung DIE WAND widmet sich Regisseur Julian Pölsler erneut einem Stoff der österreichischen Autorin.

Stella, unerfahren und jung, geht ahnungslos ihrem Untergang entgegen. Richard verführt sie, seine Frau Anna beobachtet die Affäre mit kühlem Blick. Als Stella nach einer erzwungenen Abtreibung Selbstmord begeht, ist sich Anna ihrer Mitschuld an diesem tragischen Geschehen bewusst, und sie versucht, durch das Niederschreiben der Geschichte ihre Seele zu reinigen.

REGIESTATEMENT:
Die filmische Umsetzung von WIR TÖTEN STELLA hat sich durchaus als schwierig erwiesen, weil sich sehr viel im Inneren der Protagonistin abspielt. In meiner Interpretation geht es nicht so sehr um äußere Vorgänge, sondern darum, nach innen zu blicken und zu schauen, wo die Widersprüche und vor allem die Wände dieser Person sind. Die Wände, gegen die diese Frau, die die Geschichte erzählt, stößt. Anna, im Film gespielt von Martina Gedeck, versucht verzweifelt auszubrechen, und immer wieder steht sie vor Wänden, durch die sie nicht hindurch kann. WIR TÖTEN STELLA erzählt für mich die Geschichte dieser Frau, bevor sie in den Wald fährt und dann vor dieser undurchdringbaren Wand steht. Bereits hier klingen die »Wand«-Motive und -Metaphern an. Die Novelle »Wir töten Stella« ist fünf Jahre vor »Die Wand« entstanden und steht bis heute in deren Windschatten. Sie ist eine Art Vorstudie, und ich hoffe, dass mein Film dazu beiträgt, dass auch sie nun als großes Werk der deutschsprachigen Literatur wahrgenommen wird. Für mich als Filmemacher ist es interessant, diese inneren Kämpfe der Protagonistin visuell erlebbar zu machen. Diese Gespaltenheit, Zerrissenheit und auch die Suche nach Wahrheit. Anna hat ja nur Verdachtsmomente, dass ihr Mann sie betrügt, und sie ringt dann danach, Gewissheit zu erlangen. Das ist es, was den Film so aktuell macht. Wir leben in einer Zeit von Beziehungsproblemen. Unser größtes Problem ist nicht mehr die Beschaffung von Nahrung oder das bloße Überleben, sondern die Frage, wie wir es schaffen, eine gesunde Beziehung zu führen. Das ist kein Problem der 1960er Jahre, als Haushofer die Novelle geschrieben hat. Es ist heute mehr denn je eine Geschichte, die man erzählen muss.
Der Schriftsteller und Psychiater Paulus Hochgatterer hat mir einmal gesagt, dass DIE WAND für ihn die exakte Beschreibung einer Depression ist. Auch in WIR TÖTEN STELLA erleben wir einen ähnlichen psychischen Zustand. Wie schlittert Anna in diesen Zustand? Was bedeutet ihre Passivität, ihre Unfähigkeit zu handeln? Ihre Ausbruchsversuche enden immer in Träumen, Albträumen oder Horror-Träumen, die wiederum Ausdruck ihres Unvermögens sind, etwas zu verändern. Das zu zeigen war mir wichtig, und ich glaube, das war auch das Thema für Haushofer.

(aus "Moviemento")