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Film-Archiv



DER WEIN UND DER WIND -
Genre:Drama
Länge:113
Schauspieler:Pio Marmaï, Ana Girardot, François Civil
Regie:Cédric Klapisch
Erscheinungsjahr:2017
Internet:
Beschreibung:Die erwachsenen Geschwister Jean, Juliette und Jérémie sind die Sprösslinge eines kleinen Familienweingutes im französischen Burgund. Die Mutter ist früh verstorben und das Leben hat die drei in ganz unterschiedliche Richtungen verschlagen: Jean, der Älteste, ist nach Konflikten mit dem Vater ausgewandert, hat die Welt bereist, mit seiner Freundin Alicia in Australien ein Weingut gekauft und einen kleinen Sohn bekommen. Den Kontakt zur Familie hat er aber seit Jahren abgebrochen. Jérémie ist jung verheiratet und lebt mit kleinem Kind bei den Eltern seiner Frau Océane. Juliette hingegen ist Single, widmet ihr Leben dem Wein und ist bei ihrem Vater auf dem Gut geblieben. Als dieser unerwartet im Sterben liegt, kommt die Familie zusammen, auch Jean kehrt nach zehn Jahren Abwesenheit zurück.

Nach dem Begräbnis geht es ums Erbe und um die entsprechende Steuer von stolzen 500.000 Euro. Viele Fragen, doch die Geschwister haben - wie sie gegenseitig herausfinden - ihre ganz eigenen Probleme. Jean ist mit seiner australischen Freundin heillos zerstritten, wie ein Besessener tobt er durch die Weinberge und brüllt in sein Telefon. Jérémie fühlt sich von den Schwiegereltern gegängelt, steckt fest im Korsett der bourgeoisen Familienwelt und fragt sich, wie ihm eigentlich geschieht. Nur Juliette hat ernste Ambitionen, das Handwerk ihres Vaters weiterzuführen. Doch sie ist allein, unsicher und leidet sehr unter dem Tod des Vaters. Ob die Geschwister in Zukunft zu dritt Wein keltern und verkaufen werden? Fest steht nur, dass die Weinlese in wenigen Tagen beginnt und schleunigst organisiert werden muss.

Klapisch montiert in "Der Wein und der Wind" so etwas wie eine familiäre Seherfahrung. Man wird beim Zuschauen Teil der Familie, ist bisweilen genervt, gelangweilt, aber spürt doch stets die wärmende Grundierung der gegenseitigen Liebe. Die Zeichnung der Figuren ist eindeutig die große Stärke des Films: Klapisch gelingt es, tief in die Ängste und Wünsche, in die Schönheit und Unzulänglichkeit seiner Protagonisten einzutauchen und diese nachfühlbar zu machen.

Nahezu jedes Gespräch, jeder Blick, jeder Affekt wirkt absolut ungekünstelt und emotional gewichtig. Das liegt auch an der sehenswerten Besetzung, die ganz ohne große Namen auskommt. Da lassen sich kleinere Fauxpas wie die retortenhafte Musik oder die unnötigen Rückblenden in die Kindheit der Geschwister verschmerzen.

Es ist ein wattiertes, wohlgenährt wirkendes Erzählen, das die Geschichte von "Der Wein und der Wind" mal lakonisch, mal dramatisch fortschreibt: Die Figuren flanieren durch die Weinberge, tafeln und trinken, sehen immer gut dabei aus, und überlegen, was sie mit dem sechs Millionen Euro schweren Weingut ihres Vaters bloß anstellen sollen.

Klapischs Kino kennt zwar keine existenziellen Krisen, aber es ist ehrlich zu seinen Figuren und bewahrt sich somit vor dem eigenen Klischee. "Der Wein und der Wind" ist kein Feel-Good-Movie, obwohl man gerne und mit Genuss der Geschichte folgt und Jean, Juliette und Jérémie beim Weinschwenken und leidenschaftlichen Streiten beobachtet. Es ist eine ernsthafte Leichtigkeit, die so etwas wie kathartische Effekte beim Zuschauen auslöst und sich wie ein ätherisches Bonbon wohltuend auf gereizte Partien legt. Keine Erhabenheit, keine große Geste - "Der Wein und der Wind" ist Kino des Alltags, im besten Sinne.

(aus "Spiegel online")