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Film-Archiv



RÜCKKEHR NACH MONTAUK
Genre:Drama, Liebesfilm
Länge:108
Schauspieler:Stellan Skarsgard, Nina Hoss, Susanne Wolff, Isi Laborde u.a.
Regie:Volker Schlöndorff
Erscheinungsjahr:2017
Internet:
Beschreibung:Es gibt eine Liebe im Leben, die du nie vergisst. Volker Schlöndorffs bester Film seit langem. Variety

Zwei Dinge sind im Leben von wirklicher Bedeutung – die Dinge, die man getan hat, aber zu tiefst bereut, und die Dinge, die man nicht getan hat und noch mehr bereut. Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff (Die Blechtrommel) lässt sich von Max Frisch inspirieren und erzählt die Geschichte über eine große, vergebe ne Liebe. Schlöndorff hat damit sein eigenes Leben, seine große Liebe, verfilmt. Schriftsteller Max (Stellan Skarsgård) kehrt zur Premiere seines neuen Buches nach New York zurück. Hier hat er einst seine große Liebe Rebecca (Nina Hoss) verloren. Nicht ganz zufällig trifft Max Rebecca wieder. Die erfolgreiche Anwältin lässt sich überreden, im winterlichen Montauk ein Wochenende miteinander zu verbringen. In dem kleinen Fischer -
hafen mit dem berühmten Leuchtturm am Ende von Long Island versuchen zwei Menschen ihre Liebe wieder zu finden. Aber lässt sich das Rad der Zeit zurückdrehen?

Ich bin nie darüber hinweggekommen, sagt Schlöndorff über die eine vergebene Chance in seinem Leben.

Erstmals seit 17 Jahren läuft wieder ein Film von Volker Schlöndorff im Wettbewerb. Ein ruhiger, schöner und trauriger Film ist es. Mit "Rückkehr nach Montauk" nimmt sich Schlöndorff, nach "Homo Faber" zum zweiten Mal, eines Buches von Max Frisch an. Ein Buch, das unverfilmbar ist, besteht es doch zur Hauptsache aus Notizen, Betrachtungen und Erinnerungen an Frauen und verlorene Lieben. Es gilt als das persönlichste Werk von Max Frisch, angeblich führte das Buch zum Ende seiner Ehe, und es ist der persönlichste Film von Volker Schlöndorff.

Von der literarischen Vorlage hat er sich weit entfernt, anders wäre diesem Stoff auch nicht beizukommen. Doch wie so oft, wenn man sehr persönlich wird, schafft man damit etwas Allgemeingültiges. Es geht um das Bereuen von dem, was wir getan haben, und das Bereuen von dem, was wir nicht getan haben. Die Sehnsucht nach einer zweiten Chance, das Leben zurückdrehen und ihm eine andere Richtung geben.

Der Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) ist Anfang 60, die Vergänglichkeit wird ihm bewusster, die Frauen um ihn werden jünger. Er reist nach New York, um seinen neuen Roman zu präsentieren, der vom Verlust der großen Liebe erzählt. Er muss zahllose Interviews geben, in denen er sich zur politischen Lage in Europa äußern soll und in Metaphern antwortet, er wird durch die Stadt gezerrt.

Ein schillerndes New York mit seiner Boheme-Szene, von der Max erst sehr spät begreift, dass sie in räudigen Buden lebt, in denen der Gestank der darunterliegenden Kebap-Bude bis ins Kissen dringt. Für ihn ein regelrechter Schock. Doch noch glänzt alles, seine Lesung in der Public Library ist ausverkauft und er liest dort von der großen Chance, die er verpasst hat, auf die es ankam. Ihm Publikum seine junge Freundin Clara (Susanne Wolf), den Tränen nahe.

Er spricht von der einen, der er Leid zufügte, von der anderen, die er nicht hätte enttäuschen dürfen. Max hat eine Menge vermasselt im Leben. Aus diesem Kapital entstehen seine Bücher. Von Frauen, so scheint es, versteht er nichts, nur das Verführen beherrscht er. Doch diese große Liebe sucht er nun in New York. Fast 20 Jahre ist es her, jede Straßenecke erinnert an sie. Sie zu finden ist nicht schwer, es gibt einen alten, gemeinsamen Freund und eine Pressefrau, die sich schlichtweg um alles kümmert.



Dieser großen Liebe wieder nahe zu kommen, erweist sich anfänglich als unmöglich. Rebecca ist inzwischen Staranwältin und vor allem ist sie Nina Hoss: kühl, unnahbar, spröde. Sie behandelt ihn mit Herablassung. Ihre Unabhängigkeit und ihr Reichtum zeigen vor allem, wie sehr sie ihn überwunden hat und wieviel Kraft es sie gekostet hat. Dennoch lädt sie ihn schließlich ein, zu einer Fahrt nach Montauk, ein Küstenort am Ende von Long Island. Ein paar Stunden sollen es nur sein, doch es werden zwei Tage.

Dasselbe Hotel, eine andere Zeit. Hier waren sie einmal glücklich, hier wollen sie sich noch einmal erinnern. Der Wind peitscht über die Küste, die menschenleer ist. Das Reden fällt schwer, wo soll man anfangen nach all der vergeudeten Zeit.



Und so nimmt dieses Erinnern-Wollen seinen Weg durch die Laken, durch Großaufnahmen ihrer Gesichter, so nah, dass sie verschwimmen, ganz so wie es ist, wenn man einen geliebten Menschen neben sich im Bett betrachtet, mit einer Nähe, in der alles unscharf wird und der Raum verschwindet. Doch am Morgen kommt die Wahrheit zurück, das tut sie immer, und in diesem Fall tut sie das gründlich.

Max hatte sich damals verdrückt. Es war keine Trennung, er ist bloß nie mehr zurückgekehrt. Während sie gewartet hat, hat er eine andere Frau geschwängert. Sowas passiert. Er hat es ihr nie gesagt, weil er sie nicht verletzten wollte. Und tut es doch, tut es noch viel mehr, weil bei solchen Wahrheiten keine Hoffnung zerstört wird, sondern die Erinnerung. Was Rebecca allerdings erzählt, nimmt ihm den Boden.



Der Egozentriker Max muss feststellen, dass sie nicht die letzten 20 Jahre auf ihn gewartet hat. Dass er hier der Träumer ist. Er selbst verwechselt seinen Roman, die eigene Fiktion mit der Realität. Am Ende bleibt eine alte Erkenntnis: Die große, ewige Liebe ist eine Erfindung von Schriftstellern.

(aus "Berliner Morgenpost")