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Film-Archiv



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Wolke 9
Genre:Drama
Länge:99
Schauspieler:Ursula Werner, Horst Westphal
Regie:Andreas Dresen
Erscheinungsjahr:2008
Internet:
Beschreibung:Nach 5 Minuten bereits hat Andreas Dresen ebenso unaufgeregt wie einfühlsam den mutmaßlichen Tabubruch hinter sich gebracht – alte Menschen jenseits der 70 in ungeschönten Bildern beim Sex zu zeigen. Keine Weichzeichner, keine diskreten Totalen oder keuschen Bettdecken, dafür viel verwelkte Haut in Nahaufnahme. Bilder, wie sie im Fernsehen oder gar in der Werbung nie zu sehen sind. Wohl deshalb, weil Menschen des dritten und schon recht nicht des vierten Lebensalters ein leidenschaftliches Liebes- oder gar Sexleben nicht mehr zugebilligt wird; wenn, dann nur in verkitschter, verklärter und verniedlichter Form. Geradezu dankbar ist man dafür, dass es endlich ein Regisseur auf der Leinwand vermocht hat, uns die Angst vor dem Älterwerden und die damit verbundenen Verlustängste zumindest ein Stück weit zu nehmen.

„Wolke 9“ zeigt, was wir eigentlich längst wissen könnten, wenn wir uns mehr dafür interessieren würden – dass der Terror der Liebe, das Ausgeliefertsein gegenüber den eigenen Emotionen nicht aufhört, nur weil man älter wird; genauso wenig, wie die Lust auf Sex. Was sich gleichwohl dennoch ändert, ist die Tragweite, die die Entscheidung, eine lang andauernde Beziehung zu beenden, mit sich bringt. Zwischen diesen beiden Gewissheiten pendelt dieses denkbar schlichte und gerade deshalb so eindringliche Dreiecks- Liebesdrama hin und her – jener von der ewigen Verbindung von Liebe und Schmerz und der von der Endlichkeit unseres Daseins auf Erden. Dresen zeigt, wie aus der mädchenhaft-unschuldigen Verliebtheit seiner Protagonistin allmählich eine Entscheidung über Leben und Tod wird. Inge macht es sich dabei alles andere als leicht – zärtlich vergleicht sie ihre beiden Männer miteinander, verteidigt die Hobbies und die Macken des einen vor dem jeweils anderen. Und verlässt schließlich im vollen Wissen um die Tragweite ihrer Entscheidung den Ehemann, um noch einmal ganz von vorne anzufangen.

Wie zuvor bereits bei „Halbe Treppe“ hat Andreas Dresen seine Geschichte in Zusammenarbeit mit seinem 7-köpfigen Team und seinen drei Hauptdarstellern erarbeitet. Sein Verfahren, nur mit Hilfe eines Storygerüsts zu arbeiten und die Dialoge erst unmittelbar vor und während der Dreharbeiten in Improvisationsübungen zu entwickeln, hat er dabei weiter verfeinert. Die ersten 30 Minuten seines Films kommen – dies ist die radikalste Wendung in Dresens Saffensprozess - fast ohne Worte aus. Und auch die ungewöhnlich ruhige und diskrete Kamera lässt dem Zuschauer allen Platz, das Gesehene mit eigenen Assoziationen und Erfahrungen abzugleichen.
So ist „Wolke 9“ganz sicher Andreas Dresens bisher minimalistischster und auch radikalster Film geworden.

WOMAN WITHOUT MEN
Genre:Drama
Länge:99
Schauspieler:Pegah Ferydoni (Faezeh), Arita Shahrzad (Fakhri), Shabnam Tolouei (Munis), Orsi Tóth (Zarin)
Regie:Shirin Neshat
Erscheinungsjahr:2010
Internet:
Beschreibung:Die Geschichte von fünf Frauen, die sich im Jahr der Machtergreifung des Schahs in einem Orchideengarten treffen.

Teheran, im Sommer 1953. Der erste demokratisch gewählte Premierminister des Irans, Mohammad Mossadegh, wird durch einen Coup der CIA gestürzt. Vor diesem politischen Hintergrund entwirft die Videokünstlerin Shirin Neshat in ihrem Spielfilmdebüt fünf Porträts von sehr unterschiedlichen Frauen, deren Geschichten jedoch eng miteinander verwebt sind.

Shahrnush Parsipur schrieb verschiedene Kurzgeschichten, die unabhängig voneinander bestehen. Im Zentrum steht jeweils eine Frau. Aber die Geschichten hängen alle miteinander zusammen: Der Verbindungspunkt ist ein Garten, in dem sich alle treffen, in den alle irgendwann hinkommen.
Mir gefällt an dem Buch seine surreale Komponente: Der Garten ist ein Ort des Exils, der Flucht, er ist völlig zeitlos. Fast wie ein Garten Eden - ein Ort von Unschuld und Erkenntnis. Das Buch ist auch visuell sehr stark, es hat Poesie. Ich nahm alles aus dem Buch, was ich mochte, und kombinierte es neu. Grundsätzlich habe ich das Politische etwas erweitert und den Surrealismus, die Magie etwas reduziert. Das Buch ist durchzogen von produktiven Gegensätzen, die mich angezogen haben: Stadt-Land, Geschichte-Zeitlosigkeit, Natur-Kultur: das ist sehr konzeptionell und ähnelt meiner bisherigen eigenen Arbeit. Die einzelnen Frauen sind sehr verschieden: ein normales Mädchen, das heiraten will; eine westlich orientierte; eine religiös erzogene und eine Prostituierte. Mir war wichtig, dass sie nicht als Opfer dastehen, ich wollte, dass man auch ihren Mut sieht, die Freiheit, die sie sich nehmen. (Shirin Neshat) (Text: Viennale 2009)

Ein verwunschener Garten vor den Toren Teherans. Hier treffen sich vier Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnte – die kunstliebende Fakhri (Arita Shahrzad), die junge Prostituierte Zarin (Orsi Tóth), die politische Aktivistin Munis (Shabnam Tolouei) und deren Freundin Faezeh (Pegah Ferydoni). Das Chaos, das nach einem Militärputsch in den Straßen Teherans herrscht, hat sie an diesem Ort zufällig zusammengeführt. Und die Flucht vor dem eigenen Schicksal. In einem verborgenen Landhaus inmitten des paradiesisch anmutenden Gartens erleben diese vier Frauen für einen kurzen Moment das, wonach sich jede von ihnen sehnt, und wofür jede von ihnen kämpft: Lebensfreude, Freiheit und das Gefühl von Glück.

"Women Without Men" ist der erste Spielfilm der international renommierten Video-Künstlerin Shirin Neshat. Im September vergangenen Jahres erhielt sie hierfür beim 66. Internationalen Filmfestival von Venedig den Silbernen Löwen für die Beste Regie und den Preis der Unicef.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman der iranischen Schriftstellerin Sharnush Parsipur entwirft Shirin Neshat in so prächtigen wie prägnanten Bildern eine magisch-phantastische Welt.

WONDER WOMAN
Genre:Fantasy nach Marvel
Länge:141
Schauspieler:Gal Gadot, Chris Pine, Robin Wright, Danny Huston, Elena Anaya
Regie:Patti Jenkins
Erscheinungsjahr:2017
Internet:
Beschreibung:Wunder geschehen: Die umwerfende Gal Gadot als eine der coolsten Comic-Heldinnen von allen rettet die Welt – und Chris Pine obendrein

Sie war immer schon etwas Besonderes: Prinzessin Diana, Thronerbin des wunderschönen Insel-Königreichs Themyscira. Ihre Mutter (Connie Nielsen) ließ sie von den stärksten Kriegerinnen ausbilden, denn sie wusste, dass Diana als zukünftige Amazonen-Königin ein gefährliches und ungewöhnliches Leben bevorstehen würde.

Doch das Abenteuer kommt früher als erwartet. Als der US-Pilot Steve Trevor (Chris Pine) auf der Insel notlandet und ausgerechnet Diana ihn findet, erfährt sie zum ersten Mal was Konkretes von der riesigen Menschenwelt da draußen – und das ist nichts Schönes: Es herrscht ein blutiger Krieg, das Leid ist grenzenlos. Diana beschließt, gemeinsam mit Steve, in den sie sich verschaut hat, für den Frieden zu kämpfen – unter dem Decknamen Diana Prince zieht sie nach London und mischt das Geschehen erwartungsgemäß ziemlich auf …

Wonder Woman ist eine der bekanntesten aus der DC Comics-Superheldenriege. Vor der Kamera sind ihre Auftritte dennoch spärlich: In den 1970ern gab’s die erfolgreiche TV-Serie mit Lynda Carter in der Titelrolle, nun endlich kommt, nach einem Vorab-Gastauftritt in Batman v Superman: Dawn of Justice, ihr erster groß angelegter Kino-Spielfilm. Seit 1996(!!) wird an dem Projekt gebastelt, nun landete es in den geschickten Händen von Regisseurin Patty Jenkins, die Charlize Theron zu deren Oscar für die Hauptrolle in Monster verhalf.

Gal Gadot sorgte als Wonder Woman schon in Batman v Superman: Dawn of Justice für erhebliche Vorfreude auf ihr eigenes Abenteuer. Ihr zur Seite steht, wie bei Heldenfilmkalibern dieser Größe Pflicht, geballte Star-Power: Neben Connie Nielsen und Chris Pine kämpfen u. a. Robin Wright, Danny Huston und David Thewlis für Gut bzw. Böse.

(aus "Skip")

Woody Allens "MAGIC IN THE MOONLIGHT"
Genre:Komödie
Länge:96
Schauspieler:Emma Stone, Colin Firth, Marcia Gay Harden
Regie:Woody Allen
Erscheinungsjahr:2014
Internet:
Beschreibung:Wer mit knapp 80 noch einen schönen Film nach dem anderen dreht, kann nur ein Kino-Magier sein. Woody Allen ist zudem einer, der souverän mit dieser Rolle spielt. In "Magic in the Moonlight" hat er sich zudem in den Cast hineingezaubert - natürlich unsichtbar.

Von einer Nebenrolle im episodischen „To Rome With Love“ (2012) abgesehen, hat sich der Schauspieler Woody Allen zuletzt diskret aus Woody-Allen-Filmen zurückgezogen. Seine letzte Hauptrolle war, in „Scoop“, der quasselsüchtige Zauberer Splendini, beileibe nicht zu verwechseln mit dem historischen Kollegen Houdini – und an seiner Seite kam Scarlett Johansson als detektivisch recherchierende Journalistin Sandra Pronsky wunderbar spielend zu ihrem ersten Knüller. Zauberisch auch die letzte Einstellung: Der hampelnde und haspelnde Splendini, soeben am Steuer eines Smart den Tücken des britischen Linksverkehrs zum Opfer gefallen, hält sich und seinen Mitreisenden auf der Barke in die Ewigkeit den Tod vom Leibe – mit Kartentricks, versteht sich.

Das ist nun acht Jahre her, eine kleine Ewigkeit. Und fühlt sich an wie heute, denn Woody-Allen-Filme verströmen jedes Jahr von Neuem den Zauber, dass die Zeit nicht wirklich vergeht. Soeben ist das 80. Lebensjahr dieses Kino-Magiers angebrochen, und in seiner neuesten, ungeheuer federleichten Komödie steckt besonders viel Woody Allen, ja, seine ganze Philosophie. Dabei steht der Regisseur, wie in seinen sieben Filmen zuvor, nicht vor der Kamera – oder hat er sich doch in den Cast hineingezaubert? Der von Colin Firth gespielte Illusionist, der in „Magic in the Moonlight“ in allerlei Nöte gerät, tritt unter dem Künstlernamen Wei Ling Soo auf. Vertauscht man nun die Buchstaben des Anagramms so flink wie beim Hütchenspiel, ergeben die Karten – Schummeln gehört zum Handwerk – schwupps den Schriftzug Woody Allen.

Mit bürgerlichem Namen heißt der Magier, der da unter imposanter Chinesenmaske sein Berliner Publikum der zwanziger Jahre in den Bann zieht, Stanley Crawford. Der britische Misanthrop verachtet sein Publikum ebenso wie den Verwandlungszirkus und Verschwindehokuspokus, dem er den eigenen Nimbus verdankt. Sein Credo: Perfekte Illusion ist nichts weiter als das Ergebnis perfekter Technik. Wer’s glaubt, ist selber schuld. Und wer an mehr glaubt als an die imposant klappernde Mechanik der Rationalität, gehört auf den Mond geschossen, wo die blöden Romantiker wohnen.

Dieser Stanley ist von ganz anderem Kaliber als der hibbelige Splendini, der als emsiger Exekutor seines Irreführungstalents agierte – und ähnelt auch insofern dem echten Houdini, als er nebenberuflich allerlei Hellseher als Scharlatane enttarnt. Nächstes Opfer des bekennenden Anti-Spiritisten soll die ihm von Zaubererfreund Howard (Simon McBurney) zugeführte Sophie (Emma Stone) sein, die als Medium Furore macht. Derzeit logiert sie, hoch über der Côte d’Azur, in der Villa einer Amerikanerin. Die reiche Dame will sich, hingerissen von Sophies Talent, bei spiritistischen Sitzungen der einstigen ehelichen Treue ihres verstorbenen Gatten versichern. Und ihr Sohn Brice (Hamish Linklater) ist seinerseits bereits unsterblich in Sophie verliebt.

Klingt staubig? Richtig, so staubig wie die beim Tee und eitel Sonnenschein geäußerten Ansichten – und so köstlich falsch wie der Gesang des um Sophie werbenden und gern im Kleinejungs-Matrosenkostüm paradierenden Troubadours Brice, der seine Darbietungen ulkig per Ukulele begleitet. Jedenfalls bis Stanley auftritt: Dann wird, so der Plan des unter falschem Namen firmierenden Eindringlings, Klartext gesprochen zwischen den Profi-Täuschern Sophie und Stanley und jeglicher Mumpitz mit mindestens Descartes’scher Schärfe dekonstruiert. Doch Sophie erschüttert ihn gleich doppelt: In Sachen Medialmagie scheint sie über echte Kräfte zu verfügen, und – manchmal ist es wie verhext – dann tun auch noch ihre überirdisch großen Augen sowie ihre göttliche Gestalt im Hormonhaushalt des sturzknöchernen Stanley das ihrige.

Klingt noch staubiger? Der Verdacht mag sich insofern weiter erhärten, als ausgerechnet Stanleys betagte Tante Vanessa (Eileen Atkins), selber Eigentümerin eines traumhaften Anwesens, dramaturgisch immer mehr ins Zentrum rückt. Die Dialoge allerdings, die Stanley in diesem eleganten Retro-Ambiente anzettelt, sind schneidend modern. Dass er unter dem Einfluss offenkundig allseitig wirkender magischer Kräfte bald ebenso radikal dem Rationalismus abschwört, wie er ihn vorher vertrat, gehört zu den typischen Woody-Allen-Ironien: Seine dummklugen Stellvertreterfiguren sollen ordentlich leiden, bevor er sie komödiengerecht erlöst. „Magic in the Moonlight“ – auch deshalb so amüsant wie spannend, weil der Zuschauer nie mehr weiß als Stanley – gipfelt in dieser Hinsicht in einer geradezu genialen Pointe.

Er sei Romantiker und Realist, hat Woody Allen soeben im Tagesspiegel-Interview gesagt. Sein Spätwerk vereinigt, ob im erlittenen Schmerz der Figuren oder in ihrer unersättlichen Liebeslust, diese scheinbar konträren Lebenskonzepte souverän. Allem Ende wohnt ein Zauber inne.

(aus "Der Tagesspiegel")

Working Man´s Death
Genre:Dokumentation, Österr. Film
Länge:122
Schauspieler:
Regie:Michael Glawogger
Erscheinungsjahr:2005
Internet:
Beschreibung:In fünf Kapiteln und einem Epilog folgt Michael Glawogger den Spuren körperlicher Schwerstarbeit im 21. Jahrhundert. In der Ukraine, in Indonesien, Nigeria, Pakistan und China findet er Menschen am Rande der Gesellschaft, die tagtäglich ungeheure Leistungen für unvorstellbar geringen Lohn vollbringen. WORKINGMAN'S DEATH ist ein "filmisches Denkmal" für diese Helden der Arbeit, bildgewaltig, unpathetisch und in jeder Einstellung überzeugend.
"Arbeit kann viel sein. Oft ist sie kaum sichtbar, manchmal schwer erklärbar, und in vielen Fällen nicht darstellbar. Schwere körperliche Arbeit ist sichtbar, erklärbar, darstellbar. Daher denke ich oft: sie ist die einzig wirkliche Arbeit." (Michael Glawogger)
"Die Kamera begleitet multiperspektivisch, die Verbindung zwischen Arbeiter und Material, zwischen Betrachter und Bild nie aus den Augen verlierend. Die Identität des Arbeiters, den Wert seiner Arbeit zur Disposition stellend, schließt Glawoggers globales Epos über den finanziellen Verweis des Stahlwerks als Freizeitpark auf zunehmende immaterielle Arbeitsverhältnisse: Welcher Gesellschaft arbeitet eine Vielheit hier entgegen?" (RAY Kinomagazin)